Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler
Wolfram am 29. Januar, 2007Dezember 1944: Deutschland steht kurz vor der Kapitulation. Die großen Städte sind zerstört. In der Reichskanzlei in Berlin haben sich die Funktionäre des Nazi-Reichs um Propagandaminister Goebbels (Sylvester Groth) versammelt. Sie schmieden Pläne, wie Deutschland doch noch den Krieg gewinnen kann. Doch einer spielt bei diesem Plan nicht mit: Hitler (Helge Schneider). Er ist frustriert und hat jede Hoffnung auf einen Sieg begraben. Doch schon in wenigen Tagen soll er in einer feierlichen Neujahrsansprache vor einem Millionenpublikum den Endsieg der Deutschen propagieren. Da Berlin größtenteils zerstört ist, soll eine Filmkulisse als Fassade dienen. Doch Hitler hat überhaupt keine Lust Reden zu halten.
Daher schmiedet Goebbels einen perfiden Plan. Der im KZ Sachsenhausen gefangene Jude Adolf Israel Grünbaum (Ulrich Mühe), ein ehemaliger Schauspieler, soll Lehrer von Hitler werden und ihm den Mut am Leben zurückgeben. Zunächst ist Hitler wenig begeistert, dass gerade ein Jude ihn aufmuntern soll. Schon bald wächst zwischen den beiden trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten eine innige Freundschaft. Hitler bekommt Schauspielunterricht und findet seinen verlorenen Lebensmut zurück. Doch immer wieder kommt sein Vaterkomplex zum Vorschein. Hinter den Kulissen schmieden derweil Joseph Goebbels, Albert Speer (Stefan Kurt), Heinrich Himmler (Ulrich Noethen) und die übrigen Nazis andere Pläne, wie sie das Volk hinter sich bringen können, nötigenfalls auch ohne Hitler.
Die größte Erkenntnis aus dem Film ist, Helge Schneider ist kein Schauspieler. Seine Rolle als Hitler wirkt sehr schwach. Ohne Emotionen spricht er seinen oft nicht besonders amüsanten Text runter. Einige nette Einfälle können ihn nicht retten. Hitler ist zwar im Trainingsanzug, in der Badewanne, beim Ausführen seines Hundes Blondie, beim Singen und beim Bellen zu bewundern, richtig lustig wird es aber nie. Viel amüsanter sind die Gags am Rande. Als Running Gag wird selbst Hitler in seinen Gemächern überwacht, wobei das riesige Mikrophon ständig versagt und neu eingestellt werden muss. Die Konzentrationslager werden auf Spielkarten abgebildet. „Heil Hitler“ ist zur Nebensache geworden und der Ausspruch wird oft scherzhaft behandelt. Die Filmhistorie wird immer wieder erwähnt. Der letzte große Propagandafilm „Kolberg“ mit Heinrich George entsteht gerade. Leni Riefenstahl, Hitlers Lieblingsregisseurin, soll die Neujahrsansprache drehen und auch Heinz Rühmann wird bei der Filmproduktion aufgerufen.
Ulrich Mühe als fiktiver Adolf Grünbaum kann die Zuschauer begeistern. Er stellt eine sehr interessante Figur dar. Zwischen Attentatsplänen und tiefer Verachtung kann er sich immer mehr mit Hitlers Taten anfreunden. Sylvester Groth spielt Goebbels mit äußerster Ruhe und sehr emotionsvoll. Ein Gag am Rande ist Ulrich Noethen als Heinrich Himmler. Sein künstlicher Arm ist so ausgerichtet, dass er ständig zum Hitlergruß bereit ist.
Fazit: Eigentlich ist Levys Film viel zu harmlos, um sich darüber aufzuregen. Einige schöne Einfälle täuschen leider nicht über die dünne Handlung hinweg. Der Film pendelt unentschlossen zwischen Humor und Anspruch, findet jedoch keine klare Linie. Der Krieg findet im Hintergrund statt, im Vordergrund steht der deprimierte Hitler, der in Therapiesitzungen von Grünbaum geheilt wird. Bewertung: 3 Punkte
(5 Punkte: sehr empfehlenswert; 1 Punkt: nicht empfehlenswert)