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Mit „Nicht auflegen!“ realisierte „Batman Forever“ Regisseur Joel Schumacher 2002 einen Film, der fast komplett in einer Telefonzelle spielt. Als alleiniger Hauptdarsteller wurde mit Colin Farrell ein damals noch relativ unbekannter Darsteller verpflichtet. 

Die Idee, einen Film zu drehen, dessen Handlung nur auf eine Telefonzelle beschränkt ist, stammt bereits von Alfred Hitchcock. Da er dieses Projekt nie verwirklichen konnte, nahm Schumacher die Idee für diesen Film auf. Der Film beginnt aber nicht in der Telefonzelle, sondern zeigt Colin Farrell als Stu Shepard, der mit seinem trotteligen Assistenten durch das mit Menschen verstopfte New York zieht. Alle rufen per Handy an, auch Stu. Da der verheiratete Stu in Ruhe mit seiner geheimen Freundin telefonieren will, geht er trotz Handy in eine verlassene Telefonzelle. Die Telefonzelle soll am folgenden Tag abgerissen werden und einem Kiosk weichen. Stu ist der letzte Kunde und ein ganz besonderer.

Nichtsahnend nimmt er den klingelnden Hörer ab, was er kurz danach bereuen wird. Die Synchronstimme von Forest Whitaker (Tobias Meister) meldet sich und zwingt ihn, am Hörer zu bleiben, da er als Scharfschütze auf ihn zielt. Der Anrufer will Stu seine Fehler aufzeigen und zu einem einsichtigeren Menschen erziehen. Da Stu den Anrufer nicht ernst nimmt, verdeutlicht der Anrufer seine tödlichen Absichten, indem er einen Freier erschießt. Der Anrufer stellt keine Forderungen, will lediglich mit Stu spielen und ihn mit zweifelhaften Methoden zu einem bewussteren Handeln bringen. Als Beweggrund stellt der Film immer neue Varianten vor, im Grunde geht es um das Gut und Böse im Menschen. Für einen 75-minütigen Film ist das Motiv des Anrufers mehr als schlecht aufgebaut. Er will das Gute im Menschen mit einem Gewehr erzwingen, indem er einen hilflos hinstellt. Stu ist es gewohnt jeden zu betrügen und jeden zu beherrschen, nun ist er der Untergebene . In vielen Anrufszenen arbeitet der Film, um das Bild zu unterteilen, mit Split-Screen Technik. Diese Technik ermöglicht Konferenzschaltungen, z.B. hört der Anrufer das Gespräch von Stu mit seiner Freundin mit an.

Da Stu des Mordes an den Freier verdächtigt wird, ist schnell die Polizei in Form von Forest Whitaker zur Stelle. Da die Stimme von Forest Whitaker bereits dem Anrufer gehört, spricht er in einer ungewohnten Synchronstimme mit der Stimme von Roland Hemmo. Der Anrufer befielt Stu in der Zelle zu bleiben und daher vermutet die Polizei zunächst psychische Probleme in dem Verhalten von Stu. Erst spät erkennt die Polizei die wahren Hintergründe und beginnt sich auf die Suche nach dem Erpresser zu machen.

Colin Farrell spielt seine Rolle solide, hat aber keine Höhepunkte. Es gelingt ihm als Macho nicht zu überzeugen. Schweiß läuft ihm von der Stirn, irgendwie wirkt Colin Farrell aber, als lasse ihn die Handlung kalt. Als Polizeipräsident bleibt Forest Whitaker sehr blass. Obwohl er für die Rolle als Polizist durchaus Qualitäten hat, nimmt man ihm die Rolle eines Polizisten mit psychischen Problemen nicht ab. Zudem stellt mehrmals im Film heraus, dass der Polizist dem Geschehen nicht gewachsen ist. Der Anrufer wirkt bedrohlich, eine andere Stimme als die von Forest Whitaker wäre aber besser gewesen.

Fazit: Eine interessante Filmidee wird schwach umgesetzt. Das große Problem des Films ist, wie kann man eine Handlung in einer Telefonzelle auf 75 Filmminuten strecken. Dieser Film kann es nicht, was vor allem an dem nicht überzeugenden Motiv des Anrufers liegt. Der Film ist nicht abwechslungsreich genug, hat daher auch auf 75 Minuten gesehen seine Längen. Die Eröffnungssequenz ist zu lang geraten und will nicht in den Film passen. Der Hauptdarsteller ist passabel, andere Schauspieler sind nur Randerscheinungen und für die Handlung des Films nebensächlich.

Trotz eines Budgets von nur 10 Millionen Dollar wurde der Film weltweit zum Erfolg und 2005 mit „Final Call“ quasi fortgesetzt. Der ein halbes Jahr vor „Nicht auflegen!“ gedrehte Film „Liberty Stands Still“, der sich auch dem Telefonduell widmet, fiel leider beim Publikum trotz besserer schauspielerischer Leistungen durch.

  

Bewertung: 3 Punkte

  (5 Punkte: sehr empfehlenswert; 1 Punkt: nicht empfehlenswert)


1 Kommentar zu “Nervenkitzel auf engstem Raum: Nicht auflegen!”

besser als final call.

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